Liquid Biopsy Newsletter
Juni 2026, Ausgabe 4
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Monat für Monat wächst die Evidenz für die ctDNA-basierte MRD-Diagnostik. Das wurde auch auf dem EHA2026 Congress in Stockholm bestätigt, von dem ich gerade als Vortragender zurückgekommen bin. Mehr dazu erfahren Sie in unserem nächsten Newsletter.
In dieser Ausgabe wenden wir uns dem Hodgkin-Lymphom (HL) zu und teilen Ergebnisse, auf die wir besonders stolz sind: Die HD21-Studie der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe (GHSG) zur ctDNA-MRD-Bewertung wurde kürzlich in „Blood" veröffentlicht, einer der renommiertesten Fachzeitschriften der Hämatologie.
Die Ergebnisse sind überzeugend. Mit LymphoVista, unserem validierten ctDNA-Sequenzierungstest, konnten wir bereits nach nur zwei Chemotherapiezyklen identifizieren, welche Patienten ein hohes Rückfallrisiko tragen und welche nicht. Ein solches frühzeitiges Signal hat unmittelbare Konsequenzen für die Planung und Anpassung der Therapie.
Die Studie zeigt zudem eine wesentliche Limitation des aktuellen Standards: Die PET-Bildgebung hat eine erhebliche Falsch-Positiv-Rate, und die ctDNA-MRD-Diagnostik begegnet diesem Problem direkt.
In Kombination mit dem PET-Scan ermöglicht die ctDNA-MRD-Testung Klinikern die klare Trennung von Patienten mit sehr geringem und solchen mit tatsächlich hohem Rückfallrisiko, mit unmittelbaren Konsequenzen für die Therapieentscheidung.
Genau diese Art von Präzision ist es, für die LIQOMICS steht. LymphoVista ist für speziell diesen Anwendungsfall konzipiert, und die HD21-Daten liefern eine starke klinische Validierung. Die hier präsentierten Erkenntnisse ergänzen die wachsende Evidenz für den ctDNA-MRD-Test-Einsatz in hämatologischen und soliden Tumoren. Ein Beispiel haben wir in Newsletter Vol. 3 vorgestellt: Die IMvigor011-Studie zeigt, dass MRD-gesteuerte Therapie Blasenkrebspatienten selektieren kann, die von einer adjuvanten Immuntherapie profitieren. Die Richtung ist eindeutig: ctDNA-MRD Testung wirkt, und schützt Patienten sowohl vor Unter- als auch vor Übertherapie.
Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und den weiteren Austausch mit Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen,
Priv.-Doz. Dr. nat. med. Dr. med. Sven Borchmann, LIQOMICS Gründer und Geschäftsführer
Frühe Risikostratifizierung beim Hodgkin-Lymphom: Validierung von LymphoVista in einer Phase-III-Studie
Was ist ein Hodgkin-Lymphom, und warum ist Therapiemonitoring so wichtig?
Das Hodgkin-Lymphom (HL) ist eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems, die am häufigsten junge Erwachsene betrifft. Moderne Therapieregimes sind hochwirksam, und die Mehrzahl der Patienten erreicht eine langfristige Remission. Dennoch erleiden eine relevante Anzahl von Patienten einen Rückfall oder eine Progression, und die aktuellen Therapien sind mit erheblichen kurz- und langfristigen Nebenwirkungen verbunden, darunter Herzschäden, Unfruchtbarkeit und Sekundärtumoren.
Die zentrale Herausforderung bei der Behandlung des HL ist die Individualisierung: Wie reduziert man die Therapieintensität für Patienten, die bereits gut angesprochen haben, während man sie für jene eskaliert, die nicht ausreichend reagieren? Und wie trifft man diese Entscheidung früh genug, damit sie einen Unterschied macht?
Bislang war die PET-Bildgebung nach zwei Chemotherapiezyklen (PET-2) das primäre Monitoringinstrument. Die Falsch-Positiv-Rate ist jedoch erheblich: Viele Patienten mit positivem PET-2-Befund befinden sich bereits in vollständiger Remission und erhalten möglicherweise unnötig viel Chemotherapie.
Die GHSG-HD21-Studie und die Rolle von MRD-2
Die HD21-Studie der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe (GHSG) ist eine der bedeutendsten prospektiven klinischen Studien beim fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom. Sie verglich zwei intensive Chemotherapieregime, BrECADD und eBEACOPP, bei über 1.400 Patienten. Die Therapieintensität nach den ersten beiden Zyklen wurde anhand der PET-2-Ergebnisse gesteuert.
Die ctDNA-MRD-Substudie wandte LymphoVista HL auf Blutproben an, die vor der Behandlung und nach zwei Chemotherapiezyklen entnommen wurden. Bei LymphoVista handelt es sich um eine speziell für HL entwickelte Variante des validierten LymphoVista-Tests. Analysiert wurde ein angereichertes Probenkollektiv, das eine Zufallsstichprobe aller einwilligenden Studienteilnehmer sowie alle Patienten mit dokumentiertem Rückfall, Progression oder Tod umfasste. Das ctDNA-MRD-Ergebnis zum zweiten Zeitpunkt nach zwei Therapiezyklen wird als MRD-2 bezeichnet.
Nach Anwendung strenger vordefinierter Qualitätskriterien waren 62 Patienten für die Primäranalyse geeignet: 16 (25,8 %) waren MRD-2-positiv, 46 (74,2 %) MRD-2-negativ.
Die Studiendaten im Überblick
| Parameter | Ergebnis | Was bedeutet das? |
|---|---|---|
| 4-Jahres-progressionsfreies Überleben (PFS) im angereicherten Kollektiv | MRD-2-negativ: 82,2 % vs. MRD-2-positiv: 36,7 % | Patienten mit nachweisbarer ctDNA nach zwei Chemotherapiezyklen hatten über vier Jahre eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für Rückfall, Progression oder Tod. |
| Hazard Ratio für Progression, Rückfall oder Tod (MRD-2-positiv vs. negativ) | HR 5,3 (p = 0,0008) | MRD-2-positive Patienten hatten ein 5,3-fach höheres Risiko für einen negativen Verlauf verglichen mit MRD-2-negativen Patienten, ein hochsignifikantes Ergebnis. Der Effekt war im BrECADD-Arm am stärksten ausgeprägt (HR 13,8), was zeigt, dass MRD-Positivität nach dem derzeit wirksamsten Therapieregime jene Patienten identifiziert, die nicht ausreichend ansprechen. |
| 4-Jahres-PFS bei PET-2-negativen Patienten nach MRD-2-Status | MRD-2-negativ: 93,3 % vs. MRD-2-positiv: 50,0 % | Auch unter Patienten mit negativem PET-2-Befund hatten jene mit positivem MRD-2-Status ein deutlich höheres Rückfallrisiko. MRD liefert unabhängige prognostische Information über den PET-Befund hinaus. |
| Falsch-positive PET-2-Befunde, die durch MRD-2 geklärt werden | 69,6 % der PET-2-positiven Patienten waren MRD-2-negativ | Von 23 Patienten mit positivem PET-2-Befund waren 16 MRD-2-negativ. Diese Patienten erhielten gegebenenfalls eine höhere Therapieintensität als erforderlich. |
| 4-Jahres-PFS nach MRD-2-Status bei BrECADD-behandelten Patienten im angereicherten Kollektiv | MRD-2-negativ: 88,0 % vs. MRD-2-positiv: 17,1 % (HR 13,8) | Der stärkste Subgruppeneffekt in der gesamten Studie. Unter Patienten, die das derzeit wirksamste Therapieregime (BrECADD) erhielten, hatten MRD-2-positive Patienten ein 13,8-fach höheres Risiko für Rückfall oder Tod. Diese Patienten sprechen trotz optimaler Therapie nicht ausreichend an und sind die stärksten Kandidaten für eine Therapieeskalation oder neue Wirkstoffe. |
Der entscheidende Befund: MRD-2 als unabhängiges prognostisches Instrument
Bereits nach zwei Chemotherapiezyklen identifiziert eine einfache Blutentnahme Patienten mit hohem Risiko und solche mit guter Prognose, unabhängig vom PET-Befund.
Was bedeutet das in der Praxis?
- MRD-2-negativ: Der Patient hat gut angesprochen und trägt ein geringes Rückfallrisiko. Diese Patienten könnten Kandidaten für eine Therapie-Deeskalation in künftigen Studiendesigns sein.
- MRD-2-positiv: Der Patient weist eine molekulare Resterkrankung auf. Diese Patienten haben ein deutlich höheres Risiko und könnten vom frühzeitigen Einsatz neuer Wirkstoffe wie Checkpoint-Inhibitoren profitieren.
- PET-2-positiv, aber MRD-2-negativ: Annähernd 70 % der PET-positiven Patienten in dieser Studie waren MRD-negativ. Bei diesen Patienten ist der PET-Befund gegebenenfalls falsch positiv.
Für Patienten: Eine Blutprobe nach dem zweiten Chemotherapiezyklus liefert ein präzises, nicht-invasives Bild des Therapieansprechens und hilft Ärzten, den Behandlungsplan gegebenenfalls frühzeitig anzupassen.
Warum diese Studie über das Hodgkin-Lymphom hinaus bedeutsam ist
Die GHSG-HD21-Substudie ist die erste Studie, die MRD-2 mit einem validierten Genotypisierungs- und MRD-Test mit vordefinierten Qualitätskriterien bei Patienten bewertet, die in einer prospektiven internationalen Phase-III-Studie behandelt wurden. Das ist aus den folgenden zwei Gründen bedeutsam.
Erstens erfüllte LymphoVista HL den für den klinischen Einsatz erforderlichen Validierungsstandard und ist nun als In-house-IVD verfügbar. Zweitens zeigt die Studie, dass ctDNA-MRD-Diagnostik und PET komplementär sind. Keines ersetzt das andere. Die Kombination von MRD-2 und PET-2 identifiziert Patienten mit sehr geringem und solche mit sehr hohem Rückfallrisiko. Dieser Zwei-Biomarker-Ansatz ist genau das Präzisionsmedizin-Konzept, das die künftigen HL-Studien prägen wird.
Diese Erkenntnisse bauen direkt auf der Plattform auf, die LIQOMICS über Lymphom-Subtypen hinweg etabliert hat. Dieselbe Logik, die heute die NCCN-Empfehlungen für LBCL (Newsletter Vol. 1) und die Therapiesteuerung bei soliden Tumoren durch IMvigor011 (Newsletter Vol. 3) untermauert, gilt auch hier: ctDNA-MRD ist kein Werkzeug für Forscher, sondern ein Entscheidungsinstrument für Ärzte und ihre Patienten.
LymphoVista: Validierte MRD-Diagnostik für das Hodgkin-Lymphom
LymphoVista HL wurde speziell für Patienten mit Hodgkin-Lymphom entwickelt. Es erreicht eine Nachweisgrenze von 6,54 x 10-6 (entspricht ca. 6 ctDNA-Molekülen unter insgesamt 1.000.000 cfDNA-Molekülen) aus einer Standard-Blutprobe. Diese Sensitivität ermöglicht den Nachweis von Resterkrankung zu den frühestmöglichen klinisch relevanten Zeitpunkten.
Die Ergebnisse der GHSG-HD21-Studie unterstützen die Einführung von LymphoVista HL in die Routineversorgung ausgewählter Patienten und werden die Konzeption der nächsten Generation von Therapiesteuerungsstudien beim HL prägen.
Quellen:
- Heger JM, Mattlener J, Kaul H et al. MRD-2 in the GHSG HD21 trial assessed by a validated circulating tumor DNA sequencing assay. Blood. 2026;147(19):2194-2202.
- Borchmann P, Ferdinandus J, Schneider G et al. Assessing the efficacy and tolerability of PET-guided BrECADD versus eBEACOPP in advanced-stage, classical Hodgkin lymphoma (HD21): a randomised, multicentre, parallel, open-label, phase 3 trial. Lancet. 2024;404(10450):341-352.
- liquidbiopsyinfo.com: MRD-Evidenzübersicht für das Hodgkin-Lymphom und darüber hinaus: www.liquidbiopsyinfo.com
Weitere Informationen: liqomics.com/en/lymphovista | Persönliche Beratung: contact@liqomics.com


