Liquid Biopsy Newsletter | LIQOMICS

Liquid Biopsy Newsletter

März 2026, Ausgabe 3

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen,

im letzten Monat haben zwei bedeutende Publikationen ein klares und übereinstimmendes Signal gesendet, das unseren gesamten Ansatz bei LIQOMICS prägt.

Zum einen wurde in einer umfangreichen Real-World-Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" publiziert wurde, das umfassende genomische Profiling (Comprehensive Genomic Profiling, CGP) von über 54.000 Patienten in Japan analysiert. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Obwohl 72,7 % der Patienten actionable Mutationen aufwiesen, erhielten nur 8 % eine CGP-gesteuerte Therapie, durch die sich ihr Krankheitsverlauf verbesserte. Molekulares Profiling allein identifiziert, was vorhanden ist, bestimmt aber nicht, was wann zu tun ist.

Zweitens hat der Galleri-Multikrebs-Früherkennungstest von GRAIL, der lange als Paradigmenwechsel gefeiert wurde, Schwierigkeiten, in groß angelegten Studien eine bedeutsame Wirkung auf Patientenergebnisse nachzuweisen. Die alleinige Detektion eines Signals im Blut reicht nicht aus, um den Verlauf einer Krebserkrankung zu verändern. Welche Behandlung wie lange auf Basis welcher Evidenz erfolgt, bleibt durch die bloße Detektion unbeantwortet.

Diese Daten schmälern den Wert der Krebsgenomik oder der Frühdiagnostik mittels Liquid Biopsy nicht. Vielmehr schärfen sie die eigentliche Frage: Welche Art von Liquid-Biopsy-Information verändert tatsächlich klinische Entscheidungen und verbessert den Krankheitsverlauf für die Patienten?

Die Antwort zeichnet sich klar ab: Entscheidend ist die longitudinale Ergänzung durch Informationen wie die minimale Resterkrankung (MRD). Wir fokussieren uns in diesem Newsletter auf ein überzeugendes Beispiel: die IMvigor011-Studie beim muskelinvasiven Blasenkrebs (MIBC). Zum ersten Mal wurde bei einem soliden Tumor in einer randomisierten Phase-III-Studie gezeigt, dass die Liquid Biopsy, konkret die Detektion von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA), zum MRD-Nachweis geeignet ist und identifizieren kann, welche Patienten eine adjuvante Immuntherapie benötigen und welche darauf verzichten können. Dieser Nutzen ist real, statistisch signifikant und klinisch bedeutsam.

LIQOMICS ist genau in diesem Bereich tätig. LymphoVista und CancerVista sind mehr als nur Screening-Werkzeuge für genetische Veränderungen in Tumoren. Es handelt sich um Liquid Biopsy Therapiesteuerungsinstrumente, die Echtzeit-Einblicke in die Tumorbiologie liefern und Kliniker dabei unterstützen, Behandlungen zu individualisieren, unnötige Eingriffe zu minimieren und Patienten vor nicht erforderlichen Therapien zu schützen.

Wir sind überzeugt, dass die IMvigor011-Daten einen Meilenstein darstellen und die Verbreitung von ctDNA-MRD in der Onkologie vorantreiben werden. Auf www.liquidbiopsyinfo.com finden Sie eine umfangreiche Evidenzbasis für mehr als 20 Krebsarten.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und den weiteren Austausch mit Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Sven Borchmann MD, PHD, LIQOMICS Gründer und Geschäftsführer


ctDNA-MRD steuert Therapieentscheidungen beim Blasenkarzinom: eine wegweisende Phase-III-Studie

Dr. Sven Borchmann, LIQOMICS erläutert den Hintergrund und die Bedeutung von IMvigor011, der ersten randomisierten Studie, die belegt, dass die Messung der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) Therapieentscheidungen bei soliden Tumoren steuern kann.

Was ist muskelinvasiver Blasenkrebs, und warum ist eine Therapiesteuerung so wichtig?

Weltweit sind jährlich rund 170.000 Patienten von muskelinvasivem Blasenkrebs (MIBC) betroffen. Trotz kurativ-intendierter Behandlung erleiden viele Patienten innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall. Jahrzehntelang war es nicht möglich, vorherzusagen, bei welchem Patienten letztlich ein Rückfall auftreten wird und bei welchem nicht. Kliniker verfügten über kein verlässliches Instrument, um zu erkennen, welche Patienten noch eine mikroskopische Resterkrankung aufweisen und tatsächlich eine adjuvante Therapie benötigen.

Eine adjuvante Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (ICI) ist bei einer Untergruppe von Patienten wirksam, doch wenn sie allen postoperativen Patienten verabreicht wird, sind viele einer erheblichen Toxizität ohne Nutzen ausgesetzt. Die entscheidende klinische Frage lautet daher: Wer hat nach der Operation noch verbleibende Krebszellen und wer ist bereits geheilt?

Die IMvigor011-Studie: Ein neuer Standard für die MRD-gesteuerte Therapie

Bei der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie IMvigor011 von Genentech/Roche wird Atezolizumab (Tecentriq) bei Patienten mit MIBC und positivem ctDNA-MRD-Status nach radikaler Zystektomie untersucht. Die Studie beantwortet die Frage, ob der ctDNA-MRD-Status Patienten identifiziert, die von einer adjuvanten Immuntherapie profitieren.

So funktioniert die Studie:

  • Patienten mit MIBC erhielten eine radikale Zystektomie (kurative chirurgische Entfernung der Blase)
  • Nach der Operation wurden alle Patienten mit einem validierten ctDNA-MRD-Test auf ihren MRD-Status untersucht
  • Nur ctDNA-MRD-positive Patienten wurden randomisiert: Atezolizumab vs. Placebo
  • Primärer Endpunkt: krankheitsfreies Überleben (DFS) in der MRD-positiven Population

Die Studiendaten im Überblick

Parameter Ergebnisse Was bedeutet das?
Hazard Ratio krankheitsfreies Überleben (DFS) (ctDNA-MRD-positiv, Atezolizumab vs. Placebo) HR = 0,64 (p = 0,0047) Patienten mit ctDNA-Nachweis unter Atezolizumab hatten ein um 36 % geringeres Risiko für Krankheitsrezidiv oder Tod. Dieser Unterschied war statistisch signifikant und klinisch bedeutsam.
Medianes Gesamtüberleben (ctDNA-MRD-positiv) 29,8 vs. 14,1 Monate Patienten mit nachweisbarer ctDNA, die Atezolizumab erhielten, überlebten mehr als doppelt so lang wie Patienten unter Placebo. Dies ist der deutlichste Beleg für den Nutzen der Therapie.
Gesamtüberleben nach 24 Monaten (ctDNA-MRD-negativ, keine Therapie) 97,1 % Von 357 Patienten, die dauerhaft ctDNA-negativ waren und keine adjuvante Therapie erhielten, lebten nach 24 Monaten noch 97,1 %, ein Beleg dafür, dass der MRD-negative Status zuverlässig jene Patienten identifiziert, die als geheilt gelten können und sicher auf eine Behandlung verzichten dürfen.

Die zentrale Erkenntnis: Der MRD-Status als Kriterium für einen Therapiewechsel

Dies ist die zentrale klinische Erkenntnis aus der Studie IMvigor011: Der ctDNA-MRD-Status nach der Operation ermöglicht eine klare Trennung der Patienten, die eine Behandlung benötigen, von denen, die dies nicht tun. Es handelt sich dabei nicht um einen prognostischen Marker, sondern um eine Entscheidungshilfe.

Was bedeutet das in der Praxis?

  • ctDNA-MRD-positiv nach der Operation: Der Patient weist mikroskopische Resterkrankung auf. Eine adjuvante Immuntherapie verbessert das Überleben signifikant.
  • ctDNA-MRD-negativ nach der Operation: Keine nachweisbare residuale Tumor-DNA. Der Patient kann die Immuntherapie und alle damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen sicher vermeiden. Zudem spart das Gesundheitssystem enorme Kosten.

Für Patienten und Ärzte: Eine einfache Blutentnahme ersetzt Monate der Ungewissheit und liefert eine klare, handlungsrelevante Antwort, ohne auf ein klinisches Rezidiv warten zu müssen.

Das große Bild: Was macht für Patienten wirklich einen Unterschied?

Die Unterschiede zwischen der japanischen CGP-Studie, den GRAIL-Erfahrungen und IMvigor011 sind äußerst aufschlussreich. Deshalb ist IMvigor011 nicht nur für Blasenkrebs von Bedeutung. Die Studie liefert einen Proof of Concept, der die Onkologie bei allen Tumorarten revolutionieren wird. Wenn die Flüssigbiopsie jedoch lediglich zur Erkennung oder Profilierung eingesetzt wird, ist ihre klinische Bedeutung begrenzt. Wird sie jedoch zur Unterstützung von Behandlungsentscheidungen eingesetzt, beispielsweise bei der Entscheidung, ob eine Therapie begonnen, fortgesetzt, angepasst oder abgebrochen werden soll, kann sie die Behandlungsergebnisse grundlegend verändern.

Die Ergebnisse der IMvigor011-Studie bestätigen, was LIQOMICS mit LymphoVista und CancerVista bereits heute in der klinischen Praxis ermöglicht: eine präzise Therapiesteuerung, die konkrete Antworten auf klinische Fragen liefert. Ist eine Behandlung noch wirksam? Hat der Patient bereits auf die Behandlung angesprochen? Gibt es Anzeichen für ein Rezidiv? Antworten auf diese Fragen tragen dazu bei, Überbehandlungen zu vermeiden, Patienten vor unnötigen Nebenwirkungen zu schützen und eine personalisierte Versorgung zu ermöglichen. LIQOMICS unterstützt die Therapieentscheidung und schützt Patienten vor Über- oder Untertherapie.


Quellen:

  • Saito Y et al. Real-world clinical utility of comprehensive genomic profiling in advanced solid tumors. Nature Medicine. 2026;32:690–701.
  • Powles, Thomas, et al. "ctDNA-Guided Adjuvant Atezolizumab in Muscle-Invasive Bladder Cancer." N Engl J Med (2025).
  • liquidbiopsyinfo.com: MRD-Evidenzübersicht für MIBC und solide Tumoren: www.liquidbiopsyinfo.com

Weitere Informationen: www.liqomics.com/cancervista | Persönliche Beratung: contact@liqomics.com